Das aktuelle Wetter sorgt für ein Stimmungstief in der Tourismusbranche. Ein absolutes Hoch beschert es dagegen allen Pilzfreunden im Nordwestkreis.

Sie starten mit Rekordfunden in die Pilzsaison, weiß der
Vorsitzende des Rehnaer Pilzvereins "Heinrich Sternberg" in Rehna, Torsten Richter.

Pilze gibt es derzeit in Hülle und Fülle, sagt Torsten Richter. "Ich selbst habe vor kurzem bei einer Pilzwanderung 60 Steinpilze gefunden, zum Teil richtig große Exemplare", erzählt er. Als Ursache nennt er die reichlichen Niederschläge bei relativ milden Temperaturen. "Auch wenn wir frösteln - für Pilze sind Nachttemperaturen zwischen 12 und 18 Grad ideal." Aber so wie die Niederschläge unterschiedlich verteilt sind, können auch die Pilzvorkommen variieren.

Bewährte Sammelgebiete um Rehna herum sind der Botelsdorfer und der Woitendorfer Wald sowie der Brümmersal. "Es gibt aber auch Pilzsammler, die bekommen ausschließlich im Stadtgebiet ihren Korb voll", erzählt Pilzprofi Richter und geht einmal um den kleinen Bauteich herum, direkt neben der großen Ampelkreuzung. Dort findet er Bilderbuchexemplare vom Hexenröhrling, den Mehlrasling, Camemberttäubling, Hautkopf oder Stadtchampignon.

Am häufigsten fällt derzeit derzeit der Hainbuchen-Rauhfußröhrling auf. "Ein sehr guter Speisepilz, er ist eng mit dem Birkenpilz verwandt", erklärt der Fachmann. Man findet ihn - wie schon der Name sagt - in jedem guten Wald, in dem Hainbuchen wachsen.

In einem Schaukasten präsentiert Richter die aktuellen Funde. "Wir wollen als Verein ja auch die Tradition von Heinrich Sternberg fortsetzen", erklärt er den Hintergrund dieser neuen alten Errungenschaft. Denn schon Heinrich Sternberg gestaltete in den 70er und 80er Jahren so einen "pilzigen" Informationskasten für die Rehnaer, an fast dem gleichen Standort, am Markt 1. Für die Umsetzung dieser Idee dankt Richter allen Sponsoren, insbesondere dem Allianzvertreter Eckhard Völker und der Allianzumweltstiftung "Blauer Adler", die sich mit 1000 Euro daran beteiligten. Die Tischlerei Eigenstetter baute den soliden Eichenkasten zum Selbstkostenpreis, und auch Gemeindevertreter Peter Praeger und die Schmiede Wroblewski halfen beim Aufbau mit.

Seit rund zwei Wochen bestücken Torsten und Katrin Richter den Info-Kasten der besonderen Art alle ein bis zwei Tage mit frischen Exemplaren. Viel Unterstützung erhalten sie von begeisterten Vereinsmitgliedern wie Alexander Glomb, Erna und Ernst Bockhold oder Petra und Artur Nickel.

Der linke Teil des Schaukastens zeigt eine kleine Dauerausstellung über Porlinge und Zunderschwämme, Pilze, die in einem Radius von fünf Kilometer rund um Rehna wachsen. "Es geht uns neben der Aufklärung auch um die Erforschung der heimischen Artenvielfalt", erklärt der Vereinsvorsitzende Richter. Dargestellt in eben diesem Schaukasten und bei den 6. Rehnaer Pilztagen, die vom 30. September bis zum 2. Oktober stattfinden. Dann werden die 40 Vereinsmitglieder zusammen mit professioneller Hilfe befreundeter Pilzsachverständiger wieder die wohl größte Pilzausstellung Mecklenburgs auf die Beine stellen.

Mit 306 verschiedenen Arten glänzten sie im vergangenen Jahr. 610 Arten haben sie insgesamt schon in der heimischen Pilzwelt auflisten können. Ihre wissenschaftliche Zuarbeit, wie etwa bei der Aufstellung der Roten Liste der gefährdeten Arten Mecklenburgs durch das Umweltministerium oder bei einer Artenliste des Biosphärereservates, ist dort jeweils sehr willkommen. Und zu guter Letzt wollen die Vereinsmitglieder eben die Erinnerung an Rehnas einzigem Ehrenbürger Heinrich Sternberg pflegen.

Auch Hildegard Wilke, die eben mal zufällig am Schaukasten vorbeikommt, erinnert sich noch gut an den Rehnaer und seine pilzlichen Lehren. "Schon Sterni hat gesagt, dass man den Grünen Knollenblätterpilz an seinen weißen Lamellen erkennt, denn Champignons haben immer rosa bis rosa-gräuliche Lamellen", sagt sie im Hinblick auf die kürzliche Pilzvergiftung einer Rostocker Familie.

Von Iris Weiss,
aus Lübecker Nachrichten vom 12.08.2005

Link:   http://www.luebecker-nachrichten.de
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